8. Umwelt & Immunsystem



Das Damoklesschwert für das Immunsystem von Mensch und Tier

Perfluorierte Tenside (PFT) stören den Impfschutz

Perfluorierte Tenside (PFT): Hierunter ganz besonders Perfluoroctansäure (PFOA) und Perfluoroctansulfonat (PFOS) sind in der Umwelt weit verbreitet. PFT werden verwendet z.B. für die Herstellung von Antihaftbeschichtungen von Pfannen, von wasserabstoßenden Textilien, Löschschaum u.a.

Dänische Forscher konnten nachweisen, dass PFT bei Kindern die Antikörperreaktion auf Impfstoff signifikant stört. In Abhängigkeit der PFT-Konzentration im Blut konnte eine bis zu 50 % geringere Antikörpermenge und damit ein unzureichender Impfschutz festgestellt werden.

Die dänischen Forscher konnten nachweisen, dass diese Chemikalien bereits während der Schwangerschaft auf das Kind übertragen werden. „Nimmt ein Mensch die Chemikalien auf, findet sich nach mehr als vier Jahren immer noch die Hälfte davon im Körper“.

Weitere Informationen siehe www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518, druck-811250 „Weit verbreitete Chemikalien schwächen kindliches Immunsystem“.

Kunststoffweichmacher

Sie geraten zwar zunehmend in Kritik, die Konsequenzen allerdings sind äußerst bescheiden. Phthalate sind in allen PVC-Kunststoffen enthalten und sind fester Bestandteil unseres Alltags (Folien zum Abdichten und Dämmen, Bodenbeläge, Kabel, Fahrzeugbauteile, Schuhsohlen, Spielzeug, Kosmetika, Plastikdosen für Pausenbrote, Plastikflaschen etc.). Im medizinischen Alltag: in Schläuchen, Blutbeuteln, Gummihandschuhen, Kathetern, Sauerstoffmasken, magensäureresistenten Medikamentenkapseln und Tablettenüberzügen. Eine Studie vom Bund für Umwelt und Naturschutz konnte 2011 nachweisen, dass die Phthalat-Konzentration in der Raumluft von Kindertagesstätten um ein Vielfaches höher ist als in privaten Haushalten. Der Phthalat-Nachweis sollte im Blut oder im Urin erfolgen. Im Rahmen einer Untersuchung an elf Schulen wurden Urinproben der 5- oder 6-jährigen Kinder gesammelt. Bei 24 % der Kinder war der Summenindex für die zulässige Höchstbelastung überschritten, mehr als die Hälfte der Kinder überschritt die 50 % Grenze der tolerablen Tagesdosis und einige der gemessenen Höchstwerte waren um ein Vielfaches höher als die erlaubten Grenzwerte. In den USA wurden ähnliche Überschreitungen in einem Kollektiv von schwangeren Frauen gefunden.

Phthalate wirken antiandrogen: Sie unterdrücken die Testosteron-Produktion. „Bei Ratten zeigt sich dies als Entmännlichung und Verweiblichung der Föten.“ Man spricht hier von „Phthalatsyndrom“. Hierzu gehören ferner Hodenhochstand, mangelhafte Spermienproduktion, eingeschränkte Fruchtbarkeit, genitale Missbildungen, die dem „Testikulären Dysgenesie-Syndrom“ des Menschen ähnelt, dessen Zunahme auf die steigende Belastung durch Umweltchemikalien in Verbindung gebracht wird.

Phthalate in Daten: Global werden jährlich 250 Mio. Tonnen Kunststoff produziert. PVC-Kunststoffe enthalten ein Drittel Phthalat-Anteil.

Zitiert aus Martina Lenzen-Schulte, Kunststoff im Kinderurin, FAZ 21.3.2012.

Siehe auch – Zahnsanierung „Körperverletzung?“ Link

Gentechnik

Kaum zu glauben: Im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) entscheidet eine Kommission von dreizehn Experten über die Zulassung oder Nichtzulassung von genmanipulierten Lebens- und Futtermitteln. Neun dieser dreizehn Experten stehen in unmittelbarer Beziehung bzw. Interessenvertretung zur Agroindustrie, die gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel entwickelt und produziert. Sieben von ihnen haben sogar eigene Patentanträge für genmanipulierte Nahrungs- und Futtermittel beantragt.

Die gentechnikkritische Organisation Testbiotech hat diesen Interessenkonflikt sachlich recherchiert, mit einem Ergebnis, das zutiefst erschütternd ist, zumal diese dreizehnköpfige Expertengruppe Entscheidungen trifft, deren Folgen für die Zukunft weder zu kalkulieren noch rückgängig gemacht werden können. Wie heißt es doch? „Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht“.

Wer glaubt, dass es sich hier um allgemeines „Öko-Genörgel“ handelt, möge sich eines Besseren belehren: Silvia Liebrich, „Schlecht beraten“ (Wie die mächtige Gentechnik-Lobby die angeblich neutralen deutschen Kontrollbehörden unterwandert hat – zum Schaden der gutgläubigen Verbraucher), Südd. Zeitung Nr. 120, Seite 20, 25. Mai 2012.

Frage: Befinden sich Gesundheits- und Agrarministerium im Tiefenschlaf?

Herbizide

Glyphosat ist das häufigste verkaufte Herbizid weltweit und wird unter dem Namen Roundup vermarktet. Es ist seit 1974 im Handel. Es kommt flächendeckend zum Einsatz im Getreide-, Sojabohnen-, Raps-, Mais- etc. –anbau, ferner bei Hobby- und Kleingärtnern sowie auf Bahngleisstrecken. In Deutschland sind 75 Präparate zugelassen. Nach Angaben des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) hat sich der Verbrauch vom Ende der Neunziger Jahre bis heute verdoppelt: 15.000t pro Jahr. Unverständlicherweise wurde auf Anraten einer deutschen Behörde die für 2012 vorgesehene EU-Risikokontrolle auf 2015 verschoben.

Die „Harmlosigkeit“ von Glyphosat ist neuerdings in Frage gestellt. Die Universität Leipzig konnte Glyphosat im Urin von Menschen, Nutztieren und wild lebenden Tieren nachweisen, auch bei Menschen, die von Berufs wegen nichts mit Herbiziden zu tun haben, wie z.B. Anwälte, Journalisten, Angestellten. Das heißt, dass Glyphosat in die Nahrungskette gelangt. In Südamerika laufen bereits Anklagen von Anwohnern von Roundup-behandelten Sojafeldern, die vermehrte Krankheits- und Todesfälle auf Roundup zurückführen. Ein Massen-Rindersterben durch Clostridium botulinum wird auf den erhöhten Glyphosat-Gehalt in einem importierten Kraftfutter zurückgeführt. Glyphosat tötet Lacto- und Bifido-Bazillen ab, so dass sich pathologische Darmkreime ungehindert vermehren können (Frau Prof. Krüger, Leipzig). Entgegen der Beteuerung seitens des Herstellers spricht alles dafür, dass sich Roundup in Nahrungsmitteln namhaft anreichert.


Rüffel für Glyphosat-Prüfer

Die WHO stellt schwere Mängel bei der Risikobewertung des Herbizids fest und fordert neue Studien.
Liebrich S., SZ Nr. 217, 21. September 2015

Fazit in Stichworten

Nach Ansicht einer Expertenkommission der Weltgesundheitsorganisation (WHO) muss Glyphosat völlig neu bewertet werden. Das Krebsforschungsgremium (IARC) stuft Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ ein. Dem gegenüber beharrt die deutsche Behörde BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) unverändert auf ihrem Urteil „harmlos“. Die BfR ist nicht nur ein wichtiger Berater der EU-Regierung, sondern auch der WHO. Das WHO-Urteil ist aus deutscher Sicht brisant. Denn die Schelte betrifft indirekt auch das BfR. 

Da die Zulassung für Glyphosat in diesem Jahr ausläuft, ist eine neue Risikobewertung erforderlich. Die BfR verweist auf Studien, die die Harmlosigkeit von Glyphosat ausweisen. Sie ist aber nicht bereit, diese Studien zugänglich zu machen.  Das Vorgehen des BfR bei der Risikoanalyse ist umstritten. „Auch lagen der Behörde durchaus Hinweise vor, die den Krebsverdacht gegen das Mittel bestätigen, doch die wurden offenbar ignoriert.“ Kritiker werfen der Behörde zu viel Nähe zur Industrie vor. Der Krebsverdacht könnte im äußersten Fall zu einem Verbot von Glyphosat führen. Es geht hier um ein Milliardengeschäft, das eng mit der Gentechnik verknüpft ist. Genveränderte Pflanzen funktionieren oft nur zusammen mit glyphosathaltigen Mitteln wie Roundup.

 

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