Buchbesprechung von Dr. O. Kuhnke
in der Ärztezeitschrift für Naturheilverfahren 44, 3 (2003)

Dr.I. Fonk: Darmparasitose in der Humanmedizin. Grundlagen – Klinik – Diagnostik – Therapie.

Weihnachtliche Kinogänger kennen das Problem seit Jahren: Da hat man einmal einen spannenden Film gesehen (zumeist amerikanischer Provenienz) und freut sich auf den Nachfolgestreifen – und der ist dann ein Flop. Nicht selten ist es mit medizinischem „zweitem Aufguss“ das Gleiche: ein paar Tabellen mehr, ein bisschen bunter und vor allem ein bisschen teurer, aber sonst „same procedure as last year“.

Anders ist es da schon mit dem Buch über „Darmparasitose in der Humanmedizin“, ein Thema, mit dem Frau Kollegin FONK schon vor 10 Jahren in Fachkreisen Aufsehen erregt hat. Zwar geht es auch hier in dem Nachfolgewerk (deutlich) bunter und reicher bebildert zu und die geradezu abenteuerliche Welt der abgebildeten Parasiten könnte mit den besten Szenarien aus Steven Spielbergs und George Lucas’ Filmen durchaus mithalten, aber es ist keine „fantasy-fiction“, die geboten wird – und dennoch ist es für den verständigen Leser „Spannung pur“.

Auch ohne Effekthascherei und jene missionarische Attitüde, die z.B. aus den „Wurm-Büchern“ von Hulda Clark gleichsam zu quellen scheint, sprechen hier der profunde internistische Sachverstand, der logische Aufbau und zahlreiche praxisrelevante Kasuistiken eine eindringliche Sprache und zwingen Ärztin bzw. Arzt, die eminent wichtige Differenzialdiagnose „Parasitose“ (wieder) ins Repertoire aufzunehmen oder etwas mehr in den zerebralen Vordergrund zu rücken.

Klar und im raschen Überblick werden im 1. Teil des Buches die verschiedenen klinischen Erscheinungsformen der Parasitosen geschildert, konventionelle diagnostische Möglichkeiten (und deren häufig enge Grenzen) ebenso wie die Erweiterung von Horizont und kausaler Krankheitserkenntnis mithilfe der Elektroakupunktur nach Voll.

Breiten, jedoch nicht unnötig ausgedehnten Raum nimmt im 2. Teil des Buches die Erörterung der „Grundlagen der Parasitologie“ ein, wobei hier alle relevanten Erreger und Infektionsquellen nebst kurzen Verweisen auf therapeutische Möglichkeiten dargestellt werden. Das reiche, farbige Bildmaterial lässt auf die große Mühe und Liebe zur Sache schließen, mit der hier zu Werke gegangen wurde – und auf die Wichtigkeit der Krankheitsentität „Parasitose“, wie sie von Frau Fonk eindringlich erkannt wurde.

Im Abschnitt „Klinik und Differenzialdiagnostik“ wird nun noch detaillierter auf den Stellenwert der Parasitosen in den diversen medizinischen Spezialdisziplinen eingegangen, ebenso gibt die Autorin wichtige Ausblicke auf die Bahnung anderer Erkrankungen (Krebs, Allergien, Autoimmunerkrankungen …) durch Würmer und Protozoen.

Eine Systematik der therapeutischen Möglichkeiten (konventionell wie komplementär), die ein rasches Nachschlagen ermöglicht, beschließt das Buch.

Es ist zweifellos trotz seiner relativen Kürze ein enorm wichtiges Werk, das zwar auf seinem Vorgänger („Darmparasitose – die zentrale Immunstörung“) in mancher Hinsicht klarerweise aufbaut, aber es doch noch übertrifft. Und nicht nur deshalb, weil Hunde- und Katzenliebhaber sich bereits während der Lektüre über vermutlich zunehmenden diffusen Pruritus wundern, sondern weil es auch noch eindringlicher als das erste Buch auf die zunehmende Bedeutung der „Schattenseiten“ unserer Zivilisation, die verdrängten Aspekte selbst in der Medizin hinweist.

Es unterstreicht einmal mehr die dringende Notwendigkeit der Integration bio-energetischer Diagnoseverfahren in die Gesamtmedizin – und es steht nicht an, das Fehlen dieser Integration zu beklagen, zumal erprobte Techniken wie die IST-Diagnostik einer Diagnose auch therapeutisch sinnvolle Schritte folgen lassen können.

Zwangsläufig wirft die Autorin am Schluss des Buches einen nachdenklichen Blick auf ein wahrhaft „wurmstichiges“ Gesundheits- (und somit Staats-) wesen, dem man die Unbestechlichkeit, Klarheit und die Offenheit aufgrund (und nicht: trotz) des herrschenden Pragmatismus nur wünschen könnte, die das vorliegende Buch kennzeichnen.

Danke, Frau Dr. Fonk.
 

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