Kaiserschnitt in der Diskussion (2006-2015)

Eine Entscheidungshilfe für werdende Mütter – unter Bezugnahme auf den Beitrag „Abkürzung mit Folgen“ von Golo Willand in der Süddeutschen Zeitung vom 29.6.2006

Die Kaiserschnitt-Rate steigt weltweit stark an, auch in Deutschland. Laut einer Studie wird eine Schnittentbindung nur von etwa 2 % der deutschen Frauen gewünscht. In Privatkliniken wird sie allerdings bereits bei jeder dritten Schwangeren durchgeführt! „Raubrittertum“ !? - wie H. Kentenich, Chefarzt der Frauenklinik des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin, meint. Die zwanzigminütige Operation wird von den Krankenkassen mit 4.500 EUR, die natürliche Geburt nur mit gut der Hälfte dieses Betrages vergütet! WHO-Team: Kaiserschnitt bei gesunden Frauen kann „mehr Schlechtes als Gutes tun“, in: Lancet, Bd. 367, S. 1819, 2006. Die Studie der WHO unter Auswertung von 97.000 Geburten in Lateinamerika ergab:
Bei Kaiserschnitt steigt die Neugeborenensterblichkeit zwischen 10 und 20 % an. Es sterben auch mehr Mütter, wenn die Operation nicht wegen eines besonderen Risikos, also bei gesunden Müttern durchgeführt wird. Auch wenn diese Studie auf deutsche Verhältnisse nicht ganz übertragen werden kann, warnt H. Kentenich:
„Aber insgesamt sind diese Zahlen sehr ernst zu nehmen. So sollten sie Anlass sein, die hohen Kaiser-
schnitt-Raten bei uns kritisch zu hinterfragen.“ Eine britische Studie aus den 90-er Jahren konnte bereits zeigen, dass bei Schnittentbindungen im Verhältnis fast dreimal so viele Frauen sterben wie bei vaginalen Geburten – selbst wenn der Kaiserschnitt auf Wunsch, also nicht aufgrund einer Notsituation - durchgeführt wurde.
Hinzu kommt, dass „Neugeborene 2-4 mal so häufig unter Atemnot leiden, wenn sie per Kaiserschnitt geholt werden, denn Babies, die auf natürliche Art zur Welt kommen, wird auf dem Weg durch den Geburtskanal das Fruchtwasser aus den Lungen gepresst.“

Fazit: Auch im Zeitalter vermeintlicher „grenzenloser Machbarkeit“ lässt sich die Schöpfung mit ihren Naturgesetzen, denen auch wir moderne Menschen voll und ganz unterliegen, nicht nachhaltig und häufig nicht ohne Folgen manipulieren. Ein Kaiserschnitt für eine Notsituation ist ein Segen! – aber ohne Notsituation nicht! Last but not least: Das sofortige Abnabeln nach der Geburt sollte unbedingt vermieden werden. Erfahrene Gynäkologen und Hebammen empfehlen die Abnabelung erst dann durchzuführen, wenn sich das Blut aus der Nabelschnur vollständig auf das Kind übertragen hat – also, wenn sich das Kind im eigentlichen Sinne des Wortes abgenabelt hat -, immerhin auch ein Abschied von 9 Monaten innigster Verbindung.

Dr. I. Fonk

Ergänzung zum Thema „Kaiserschnitt“

Kongress Gynäkologie und Geburtshilfe 2008

Jede 3. Geburt erfolgt mit Kaiserschnitt (Prof. K.T.M. Schneider, Klinikum Rechts der Isar, München)

Kommentar:
Diese Zahl macht deutlich, dass sich auch Kassenpatientinnen immer häufiger zur Schnittentbindung entschließen. Ist das im Sinne verantwortlicher Gynäkologie?

Die „Kaiserschnitt-Seuche“ eindämmen.
Rüb M., FAZ 9.7.2015 – Zitate

„In Brasilien kommen 56 % der Neugeborenen per Kaiserschnitt zur Welt, so viel wie in keinem anderen Land. In Privatkliniken sind es sogar 85 %. Viele Kaiserschnitte werden schon während der 37. und 38. Schwangerschaftswoche vorgenommen. Viele Kaiserschnitt-Kinder kommen nach der Geburt in den Brutkasten und nicht in die Arme der Mutter, weil ihnen wertvolle Tage oder gar Wochen der weiteren Entwicklung im Mutterleib fehlen.“

Indikationen, Vorzüge und Risiken einer elektiven Kaiserschnitt-Operation
Mylonas J., Friese K., Deutsches Ärzteblatt Jahrgang 112, Heft 29 – 30 / 20. Juli 2015
Fazit in Stichworten

Eine Untersuchung der WHO zur Beurteilung von maternen und fetalen Folgeerkrankungen zwischen 2004 und 2008 in 24 Ländern zeigte, dass ein Kaiserschnitt mit einer Zunahme von Risiken für Mutter und Kind einhergeht und somit ein Kaiserschnitt nur bei eindeutigen Vorteilen durchzuführen ist. Die Kaiserschnitt-Häufigkeit in Deutschland lag im Jahr 2012 bereits bei 31,9 % (siehe Tabelle Kaiserschnitte in den Bundesländern). 1991 waren es 15,3 %. Dabei liegt für weniger als 10 % der Kaiserschnitte eine medizinische Indikation vor.“

„Durch den wissenschaftlichen Fortschritt, soziologische und kulturelle Veränderungen sowie rechtliche Bedenken ist ein grundlegender Wandel in der Akzeptanz eines Kaiserschnitts zu beobachten. Eine Sectio cesarea geht mit einer Zunahme von mütterlichen und kindlichen Risiken einher und sollte nur bei eindeutigen Vorteilen durchgeführt werden.“

„Risiken für Neugeborene, die über eine elektive Kaiserschnitt-Entbindung zur Welt kommen, sind respiratorische Komplikationen wie Respiratory-Distress-Syndrom (RDS) oder eine transitorische Tachypnoe (TTN) „Mittlerweile werden auch medizinische Langzeitwirkungen untersucht. Interessanterweise konnte ein Zusammenhang zwischen einem Kaiserschnitt und der Entstehung eines Autismus, eines Asthma bronchiale, eines Diabetes mellitus Typ I, verschiedene Lebensmittelallergien oder einer allergischen Rhinitis bei Kindern beobachtet werden.“

Kommentar hierzu: Aus mikrobiologischer Sicht gibt es eine schlüssige Erklärung für derartige gesundheitliche Spätfolgen bei Kaiserschnitt-Kindern. Im Gegensatz zu den natürlich geborenen Kindern, die bereits im Geburtskanal entsprechend einer „Schluckimpfung“ mit mütterlichen Mikroben ihre individuelle Darmflora bzw. ihr intestinales Immunsystem aufbauen, kommen Kaiserschnitt-Kinder mit einem „sterilen“ Darm zur Welt und sind somit quasi ungeschützt den Umweltbakterien ausgesetzt. Die Mikrobiologen Beckmann G. und Rüffer A. empfehlen bereits seit vielen Jahren eine gezielte Schluckimpfung für Kaiserschnitt-Kinder mit den erforderlichen, lebensnotwendigen Darmbakterien, - eine geniale und sinnvolle Möglichkeit, das intestinale Immunsystem auch dieser Kinder zu stützen und aufzubauen, eine unkomplizierte und effiziente Möglichkeit, die bisher kaum wahrgenommen wird.

Beckmann G. und Rüffer A. Mikroökologie des Darmes, Labor L+S AG, Bad Bocklet/Großenbrach, ISBN 978-3-00-21007-5, 3. Aufl. 2010



Deutsch – verpönt?

Warum publizieren deutsche Wissenschaftler nicht in ihrer Muttersprache?

Deutsche Forscher und Wissenschaftler publizieren nicht mehr in deutscher, sondern in englischer Sprache.
Gründe hierfür? Fehlendes Selbstbewusstsein? Zeitgeist? Mode?
Hierzu Gedanken von Glück, H. „Sprachfreies Denken gibt es nicht“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.4.2008.

„Wer das Englische als einzig maßgebliche Wissenschaftssprache akzeptiert, verdammt die Forschungen in unserem Land zur Bedeutungslosigkeit -

In vielen Wissenschaften ist die Sprache das entscheidende Mittel des Erkenntnisgewinns, denn Sprache
und Denken sind voneinander nicht zu trennen. Sprache ist nicht nur ein „Werkzeug“.
Die geistige Durchdringung eines Forschungsgegenstandes ist sprachgebunden, sprachfreies Denken gibt
es nicht.

Die Wissenschaftssprache Deutsch ist eine Errungenschaft, an der Generationen von Gelehrten fünfhundertJahre lang gearbeitet haben. Ihr Niedergang bedeutet die Verschleuderung eines immensen geistigen und materiellen Kapitals, das über Jahrhunderte hinweg angesammelt worden ist. Es darf nicht von einer einzigen Generation verjuxt werden.“



Bisphenol-A – toxisch oder nicht toxisch?

Die Diskussion hält an.

Siehe unter „Aktuelles aus der Praxis“: Zahnsanierung – Körperverletzung?

 


 
Ultraschall in der Schwangerschaft

Grundregel

Nicht mehr als drei Ultraschall-Untersuchungen während der Schwangerschaft: In der 9.-12., 19.-22. und 29.-32. Schwangerschaftswoche.
„Nirgendwo sonst auf der Welt wird so häufig wie in Deutschland mit Ultraschall untersucht. Ein Teil der überzähligen Ultraschalluntersuchungen muss wohl auch auf die Unsicherheit der Frauenärzte zurückgeführt werden. Mitunter kann eine Hebamme mit ihren Händen klären, was ein am Ultraschall geschulter Arzt nur noch durch den Schallkopf erfährt.“ (Prof. Rott, H.D.: zit. In „Sorgloser Umfang mit Ultraschall“, FAZ Nr. 206, 4.9.1996).

Wichtig

Ultraschalluntersuchungen sollten sicherheitshalber nicht vor dem Abschluss der 8. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden.

Puls-Doppler-Verfahren sollte grundsätzlich nur bei Verdacht auf eine gestörte Entwicklung des Fetus eingesetzt werden.

Down Syndrom?

Da die Qualität der Ultraschalluntersuchung äußerst schwankend ist, sollten sich Schwangere mit dieser Fragestellung ausschließlich an besonders qualifizierte Ärzte wenden. In dem Artikel „Manche lernen es nie“, SZ 25.3.2008, werden entsprechende Zentren angegeben, die hier mit ihren Internet-Adressen aufgeführt werden: www.degum.de/445.html und www.fmf-deutschland.info/de.
Der besagte Artikel endet mit folgendem Satz: „Ein Screeningprogramm sollte von Qualitätssicherungs-maßnahmen begleitet werden, das sich sowohl auf die Fähigkeiten der Untersucher als auch auf die Qualität der Geräte bezieht.“



Kindererziehung – heute ???

Unsere Kinder von heute regieren die Welt von morgen.

Erziehungsberechtigt ist nicht gleich erziehungsfähig, - erst recht nicht in einer Zeit, die im Medien- und Reizchaos zu ersticken droht. Auch wer durch gute Ratschläge und Erziehungsbücher inzwischen frustriert ist, sollte noch einen Versuch machen.

M. Winterhoff, „Warum unsere Kinder Tyrannen werden – Oder: Die Abschaffung der Kindheit“, Gütersloher Verlagshaus, 10. Aufl., 2008, ISBN-Nr. 978-3-579-06980-7: „Ein Buch für alle, die verhindern wollen, dass unsere Gesellschaft ihre Kinder eines Tages hassen wird ……..“

Dr.med. Winterhoff, Facharzt für Kinder und Jugendpsychiatrie, befasst sich schwerpunktmässig mit dem aktuellen Störungsbild der psychischen Entwicklungsstörungen im Kindes- und Jugendalter. Winterhoff gibt in diesem übersichtlichen und gut verständlichen Buch für Erziehungsberechtigte wertvolle Hilfestellungen. Das entscheidende Anliegen ist, die Voraussetzungen zu schaffen, mit denen unsere Kinder zukunftsfähig werden.

Dieses Buch sollte Plichtlektüre für jeden Erziehungsberechtigten sein.


 

Sexualhormone im Mineralwasser
zitiert nach T. Baier, SZ 13. März 2009


Wissenschaftler des Instituts für aquatische Ökotoxikologie, Universität Frankfurt am Main, haben festgestellt, „dass die Qualität der Mineralwässer im Hinblick auf die Konzentration von Sexualhormonen nicht besser als die von Kläranlagenabwasser“ ist. In erster Linie gilt das für Mineralwasser in Plastikflaschen und ganz besonders in Tetrapacks. Differenzierte Einzelanalysen wurden noch nicht durchgeführt, aber als hauptverdächtig gelten bereits jetzt schon Phthalate (Kunststoffweichmacher). SZ vom 13.3.2009
Wasser aus Plastikflaschen sollte also für Säuglinge, Kinder und Schwangere grundsätzlich tabu sein.

Mehr hierzu



Amalgam – Ende!
Quecksilber wird weltweit verboten

Nach jahrelangen Verhandlungen hat ein Gipfeltreffen von mehr als hundert Umweltministern in Nairobi sich auf ein Verbot von Quecksilber geeinigt. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sagte, die giftige Substanz solle weltweit aus dem Verkehr gezogen werden (SZ vom 20.2.2009).